Hand in Hand Wiesbaden e.V.
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Einführung in die aktuelle Situation Swasilands

Der Hand in Hand e.V. Wiesbaden führt seit 2005 Projekte zur Hilfe für AIDS-Waisenkinder in Swasiland /Afrika durch.

Das Königreich Swasiland ist nach den neuesten Zahlen von UNAIDS, weiterhin das Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate weltweit.
Die hohe Prävalenz und die allgemeine schlechte Nahrungs- und Wasserversorgung zusammen, führen zu einer nationalen Katastrophe, aus der sich das kleine südafrikanische Land nicht selbst helfen kann.

Bedingt durch die zur Zeit ca. 20.000 AIDS-Toten pro Jahr, bei nur ca. einer Million Einwohner, gibt es bereits ca. 120.000 Kinder die einen oder beide Elternteile verloren haben.
Waisenkinder werden in Swasiland traditionell von der erweiterten Familie, d.h. von Onkel, Tanten oder Großeltern aufgenommen und versorgt.
Seit nunmehr Jahren bricht dieses kulturelle Sozialsystem immer weiter zusammen. Es gibt bereits viele tausende Kinder, die alle Erwachsenen in der erweiterten Familie durch HIV/AIDS verloren haben.

Folge ist, dass es in Swasiland zur Tagesordnung gehört, daß Großeltern im hohen Alter stellenweise bis zu 20 Kinder, ihrer verstorbenen eigenen Kinder versorgen müssen, daß es viele Kinderfamilien gibt, in den das älteste Kind für die kleinen Geschwister sorgen muß und viele Kinder gar kein zu Hause mehr haben.

In Swasiland gibt es ein weiteres traditionelles soziales Auffangsystem für Kinder ohne Familien.
Der Chief einer Community ist eine Person, ähnlich eines Bürgermeisters. Er ist, abhängig von der Größe seiner Community, verantwortlich für bis zu 600 Haushalte.
Eine Community in Swasiland erstreckt sich über eine große Fläche. Es gibt keine kompakten Siedlungen. Traditionelle Gehöfte sind mit Ackerland umgeben, so daß es zwischen den einzelnen Familien große Abstände gibt.

Der Chief hat die Aufgabe der Verwaltung seiner Community und ist traditionell für alle Kinder seines Bereiches verantwortlich, die keine Familie mehr haben.
Er nimmt diese Kinder aus seiner kulturellen Verantwortung heraus in seinem eigenen Haushalt auf, um für sie dort zu sorgen.

Im laufe der aktuellen HIV-Katastrophe ist die Anzahl der Kinder ohne Familie derart gestigen, daß die traditionellen sozialen Auffangmechanismen in Swasiland nicht mehr ausreichen. Viele Großeltern, erweiterten Familien und Chiefs sind nicht mehr in der Lage die große Anzahl an Waisenkindern aufzunehmen, mit Nahrung zu versorgen und sie in die Schule zu schicken.

Gerade das letzte ist sehr tragisch. In Swasiland kostet der Schulbesuch Geld. Es fallen Schulgebühren und Kosten für die Schuluniformen an, so daß viele Waisenkinder nicht in die Schule gehen können und so nicht die nötige Bildung erhalten um sich vor den Gefahren des Lebens, wie AIDS zu schützen.

Zwar gibt es einen staatlichen Fond, um solchen Kindern den Schulbesuch zu errmöglichen, doch in der Praxis bleibt vielen Kindern der Besuch der Schule verwehrt.

Viele einheimische und auch ausländische Freiwillige arbeiten in Swasiland um diesen tragischen Teufelskreis zu durchbrechen. Es werden mit geringsten Mitteln, zum Teil nur unter Bäumen, von freiwilligen Helfern informelle Schulen ins Leben gerufen, in den die Waisenkinder und Kindern ärmster Familien wenigstens die Überlebensfähigkeiten erlernen können.

Hier werden Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben, Körperhygiene, Ernährung und HIV-Prävention gelehrt.

Zumeist werden diese informellen Schulen durch einheimische engagierte Menschen durchgeführt. Doch an vielen Stellen im Land gibt selbst solche Einrichtungen nicht.

Weitere Anstrengungen werden in den Dorfgemeinschaften unternommen um die Grundversorgung der Waisenkinder zu gewährleisten.

Hier ist besonders ein System anzusprechen, daß UNICEF vor einiger Zeit in Swasiland etabliert hat.

Es handelt sich um Waisenkinder-Betreuungspunkte (eng. NCP - Neighborhood Care Points). An diesen Punkten in den Dorfgemeinschaften treffen sich täglich freiwillige Frauen, die, meist unter freiem Himmel, für die Kinder einmal täglich eine Warme Mahlzeit kochen.

Zubereitet wird jeden Tag das selbe Essen: Maisbrei mit Bohnen. Die Lebensmittel stammen zum großen Teil aus dem Welternährungsprogramm (WFP).

Stoppt die Lieferung des Maismehl durch das WFP, ist meist kein Essen zur Verpflegung der durchnittlich 20-60 Kinder pro Betreuungspunkt vorhanden und der kann dann nicht arbeiten. Einige wenige Gemeinden gibt es, in der sich die Dorfgemeinschaft zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden hat, die auf Land, daß vom Chief zur Verfügung gestellt wurde, Nahrungsmittel für die Betreuungspunkte anbauen.

Zusammenfassend kann man die Situation in Swasiland als schwierig bis katastrophal bezeichnen. Nach aktuellen Schätzungen der Vereinten Nationen wird sich die Bevölkerung von Swasiland bis 2050 um ca. 60% reduzieren.

Es wird erwartet, daß die Anzahl an AIDS-Waisenkindern in den nächsten Jahren in einem Ausmaß ansteigen wird, die Hilfe aus dem Ausland unverzichtbar macht.

Waisenkinder sind in der AIDS-Pandemie der Schlüsselpunkt zur Besserung oder Verschlechterung der Krise.

Auf Grund fehlender finanzieller Mittel, erhalten Waisenkinder meist keine Schulbildung und begehen somit sehr oft die selben Fehler wie ihre verstorbenen Eltern und infizieren sich mit HIV.

Grundsätzlich sind Kinder, die nicht mehr unter dem Schutz von Mutter und Vater stehen, erheblich mehr gefährdet als andere.
Viele dieser Kinder müssen sich, um zu überleben, bereits in sehr jungem Alter prostituieren oder sind Freiwild für Pädophile und Menschen, die glauben durch Sex mit jungfräulichen Kindern und Babys ihre HIV-Infektion heilen zu können.

Kann der Teufelskreislauf hier nicht unterbrochen werden, in dem man sich um diese Kinder kümmert, sie beschützt und liebt, endet die Todesspirale nicht.